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The Becoming of Bread 2014 – 2016

Alle Arbeiten aus >THE BECOMING OF BREAD< haben im November 2017 ihr zuhause gefunden im Bestand der Sammlung PANEUM® – Wunderkammer des Brotes, Asten, Österreich

1  Ohne Titel   |  2016  | 80 x 200 cm  | Öl auf Leinwand
2  Das Paar  | 2016   | 160 x 200 cm | Öl auf Leinwand
Selbstportrait der Künstlerin als Brot |  2016  | 80 x 100 cm  | Öl auf Leinwand

4  Nacht Brot 1 – 4 |  2015   | 6 Blätter à 50 x 70 cm
Blatt 1/ 3/ 4 :  Aquarell auf Papier à 50 x 70 cm
Blatt 2:   Wachsstift, Ölpastellkreide auf Papier à 50 x 70 cm

5  Form 1 – 6  |   2015   |  Aquarell auf Papier
Blatt 1 – 4 : Aquarell auf Papier à 70 x 50 cm
Blatt 5 und 6 : Aquarell, Bleistift auf Papier à 70 x 50 cm

6  Gruppe Indigo Days  | 2014   | Aquarell, Bleistift a. Papier | 6 Blätter à 50 x 70 cm
Blatt 1 – 4 : Aquarell auf Papier à 50 x 70 cm
Blatt 5/ 6 : Aquarell, Bleistift auf Papier à 50 x 70 cm

7  Konstellation I  | 2014   |  Aquarell, Bleistift auf Papier | 6 Blätter à 35 x 50 cm
8  Konstellation II  | 2014   |  Aquarell, Bleistift auf Papier | 6 Blätter à 35 x 50 cm
9  Konstellation III  | 2014   |  Aquarell, Bleistift auf Papier | 6 Blätter à 35 x 50 cm

10  Landschaft  | 2014  | Buntstift, Ölpastellkreide auf Papier | 2014 | 4 Blätter à 50 x 70 cm

11  Ohne Titel  | 2014  | Buntstift, Ölpastellkreide auf Papier | 50 x 70 cm
12  Winter Brot  | 2014  | Buntstift, Ölpastellkreide auf Papier | 50 x 70 cm


 

Angelika Beuler
>THE BECOMING OF BREAD<
Motivation und Entwicklung meiner künstlerischen Arbeit am Thema Brot

Brot übt seit jeher eine Anziehung auf mich aus, eng verbunden mit Kindheits- erinnerungen und dem Gefühl von Erdung und Geborgenheit, dem dörflichen Lebensumfeld der Großmutter, einem intensiven Erleben der Kindheit.

Nachdem mein Werdegang geprägt war von Unterbrechungen und Neuanfängen, nahm ich mir ab 2005 die Zeit, meine innere Aufstellung einmal gründlich zu reflektieren. Ab 2010 habe ich im Alltag regelmäßig geschrieben, gezeichnet, mit Aquarell gemalt und mich auf den Weg begeben zu meinem ursprünglichen Ziel, der Malerei.

Unter dem Titel >Taschen/ Heiligtümer< entstanden in 2012 sieben freie Zeichnungen, mit denen ich einen unmittelbaren Zugang zu dem inneren Themenkreis erlangte, der meine künstlerische Motivation im Ursprung bestimmt. Ausgangspunkt für die Zeichnungen war ein zweigegliederter Arbeitstitel, für den ich einen alltäglichen Gegenstand >Taschen< und eine innere Metapher >Heiligtümer< miteinander in Verbindung gesetzt hatte.

Dies schärfte meine Aufmerksamkeit für die Bedeutung meines Wertekanons in Bezug auf die künstlerische Thematik. Auch wusste ich um die Rolle von Metaphern im alltäglichen Sprachgebrauch und deren Bedeutung für die Selbstorganisation des Menschen.

Formal waren in den Zeichnungen >Taschen/ Heiligtümer< zwei Grundelemente sehr präsent – ich nenne sie einmal >Schale< und >Bogen<. Diesen Elementen bin ich in 2012 /13 immer wieder zeichnend nachgegangen. Hier trat das >Brot< in Erscheinung zusammen mit >Boot< und >Brunnen< und anderen verwandten Bildwelten, die ich 2015 unter dem Titel >Märchen ohne Worte< zusammenfasste. Der forschende, erzählende, metaphorische Aspekt der entstandenen Arbeiten – im Sinne einer Helden- reise – war für mich nicht mehr zu übersehen.

Den drei wiederkehrenden Bildern >Brot<, >Boot< und >Brunnen< näherte ich mich in einer Betrachtungsweise, mit der ich auch ein Märchen oder einen Traum lesen würde. Das Brot verkörpert Tradition, Erdung und Geborgenheit, das Boot vermittelt die Idee von Freiheit und Veränderung, der Brunnen legt nah, innezuhalten und Neues aus der eigenen Tiefe zu schöpfen. 

In 2014 konzentrierte ich mich auf das Thema Brot aufgrund seiner für mich starken Sinnbildlichkeit. Die Reise begann mit realistischen, farbigen Brotzeichnungen und führte über zerlegte, fragmentarische hin zu landschaftlich-poetischen Ansichten des Brotlaibes. ( >Landschaft< ). Die zunehmende Abstraktion und der Wechsel vom Stift zum Pinsel und einer reduzierten Farbpalette führte schließlich zur Gruppe >Indigo Days<.

Hier befand ich mich nun in einer vollkommen neuen Bedeutungsebene. Ich traf die Entscheidung, die formalen Mittel noch weiter zu begrenzen, das Brot als Laib und ganz und gar einfach zu begreifen. Es entstanden 18 Blätter mit ein und derselben Grundform, minimal variiert durch die Spiegelung der Form und deren unterschiedlicher Ausrichtung auf dem Blatt. Diese stellte ich als >Konstellation I<, >Konstellation II< und >Konstellation III< zusammen. Ich war sehr berührt und konnte klar erkennen, dass ich zu einer inneren und formalen Erkenntnis gekommen war.

Die Brotform, wie ich sie seither nenne, hat einen starken Eindruck bei mir hervor- gerufen. In 2014 /15 habe ich in die Stille dessen hineingehorcht, was diesen Eindruck im Wesentlichen ausmacht. Mit den Blättern >Nacht Brot< und >Form 1 – 6< traten schließlich drei Aspekte in den Vordergrund: das Verhältnis zwischen Form/ Umraum und Form/ Innenraum sowie das Verhältnis zweier Formen zueinander. Dies führte mich in 2016 zu den Arbeiten >Das Paar<, >Selbstportrait der Künstlerin als Brot< und >Ohne Tite< in Öl auf Leinwand.

>The Becoming of Bread< ist als Ausstellungskonzeption im Dezember 2016 entstanden mit dem Ziel, für den Betrachter einen künstlerischen Gesamtbogen erlebbar zu machen auf der Spur der sinnbildliche Qualität von Brot.

Köln, Mai 2017

 

Eine kurze Geschichte über meine Oma Würzbach

Meine beiden Großmütter wurden von uns Kindern nach ihrem Wohnort benannt. Vielleicht hatte es am Anfang geheißen: ” Wir fahren nach Würzbach zur Oma” oder ” Wir fahren zur Oma nach Saarbrücken.” Geblieben sind: die Oma Würzbach und die Oma Saarbrücken.

Als ich klein war, las meine Oma Würzbach meiner Schwester und mir aus einem dicken Märchenbuch vor. Und wenn da ein Bild erschien, nachdem sie eine Seite umgeblättert hatte, rückten wir – rechts und links unter ihre Flügelarme geklemmt – noch näher an sie heran, um gemeinsam die Linienbilder zu betrachten und mit den Wortbildern in unseren Köpfen zu verweben. Dann spührte ich an meiner Seite den fülligen Körper meiner Oma und die kühle Haut ihrer nackten Arme. Denn meine Oma trug damals noch jene blau-violett-gemusterten, ärmellosen Hauskittel, die später – in den frühen Wohlstandsfernsehserien – scheinbar harmlos die Frau des Hausmeisters oder die türkische Putzfrau symbolisierten. Ich erkannte darin den beginnenden Ausverkauf der Welt meiner Kindheit.

Ganz anders als die Kleidung der übrigen Erwachsenen schienen die Kittel meiner Oma nicht zu unterscheiden zwischen Arbeiten und Ausruhen. Beispielsweise dienten sie einem großen mehligen Brotlaib als Unterlage, wenn meine Oma den Laib – an die üppige Kittelbrust gestützt – einmal um seine eigene Achse drehte und mit einem schwertähnlichen Küchenmesser eine vollkommene Scheibe Graubrot herunterschnitt. Im selben Kittel war es meiner Oma ebenso möglich, eine gute Zeit lang, ohne sich zu bewegen, auf dem kleinen, schiefen Balkon am Haus zu sitzen – hoch oben – und über das Dorf zu schauen. Wenn wir Kinder im Garten unten spielten, mochten wir denken die Oma schläft, aber wann immer wir ihr zuriefen: “Oma!” beugte sie sich vor, stand auf und winkte.

Meine Oma Würzbach brauchte nicht so viele Mundworte wie andere Erwachsene. Vielmehr hörte ich bei ihr Kartoffeln-schälen-und-in-Stifte-schneiden- die-plumpsen-in-eine-gelbe-Plastikschüssel-mit-Wasser.
Ich hörte Wachstischdecken und Kohleofenklappen, Kirchenglocken katholisch und Kirchenglocken evangelisch, und manchmal nur, Nachts, hörte ich meine Oma im Schlaf mit jemandem zanken.

Angelika Beuler, Köln

Projekt Details

>THE BECOMING OF BREAD< lenkt in einer metaphorischen, konzeptionellen und narrativen Herangehensweise einen sowohl distanzierten als auch emotional geladenen Blick auf das Objekt der Anschauung.