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Artist Statement


« In der Kunst kann ich unmittelbar meinem Bedürfnis nach Versenkung, Erkenntnis und Freiheit folgen. Aus diesem geklärten Zustand trete ich neu in die Welt hinaus. »

« In Art, I can directly follow my need for immersion, understanding and freedom. Out of this balanced state, I can step out into the world again. »

Angelika Beuler
geb. 3. August 1963 in Kassel
Dipl. Designerin, freischaffende Künstlerin
Zeichnung und Malerei
lebt und arbeitet seit 2019 in Ingolstadt

Als Kind habe ich die Arbeit ›das Rudel‹ (›The pack‹) des Künstlers Joseph Beuys gesehen. Die Erwachsenen im Museum haben sich amüsiert und geärgert über einen VW-Bus im Museum. Ich habe intuitiv begriffen, dass Kunst die Dinge aus dem normalen Kontext herausnimmt und ihnen eine veränderte, zusätzliche Bedeutung verleiht. Diese Welt war mir sehr vertraut durch meine Märchenbücher und die Erzählkultur im Saarland, wo ich meine Kindheitssommer verbrachte.

Kunst ist der rote Faden in meinem Leben. Ich habe mich immer für Kunst, Handwerk und Design interessiert. Beim Zeichnen und Malen konnte ich in meiner inneren Welt versinken und gleichzeitig meiner Wahrnehmung Ausdruck verleihen. Seit meiner Kindheit habe ich viele Veränderungen und Ortswechsel erlebt. Je häufiger Veränderungen stattfanden, umso wichtiger wurde die Kunst für mich als mein konstanter, fester Dialogpartner und Teil meiner selbst.

Biografisch bedingt sind die Themen Identität und Wandel die Kernthemen meiner Arbeit. Ich hatte schon als junger Mensch erlebt, dass meine Identität keine fixe, keine feststehende Größe ist. Eine neue Situation bietet sowohl neue Schwierigkeiten als auch neue Möglichkeiten. Als Mensch erlebe ich mich im Wechselspiel zwischen Innen und Außen und möchte eine Balance zwischen diesen beiden Polen finden. Es ist sinnvoll herauszufinden: Was tut mir gut, was schadet mir und wo will ich hin? Wie kann ich selbst den Wandel für mich gestalten? Besonders die kleinen Kurskorrekturen im Alltag tragen dazu bei, den inneren Traum nicht aus den Augen zu verlieren, ihn zu formen und weiterzutransportieren.

Meine künstlerische Herangehensweise unterliegt meinem Entwicklungsprozess, und dieser ist nicht geknüpft an Regeln. Vielmehr geht jeweils eine innere Erkenntnis voraus, was als Nächstes wichtig ist. Daraus entwickelt sich dann eine Herangehensweise für die Arbeit. Die stilistische Vielfalt meiner Arbeit in den letzten Jahren entspricht der Notwendigkeit, in meine eigene ›Ursuppe‹ einzutauchen. Dies ist ein reicher Fundus, auf dem ich meine Arbeit aufbaue. In 2019 hatte ich einen Atelier- und Ausstellungsraum, in dem ich meine Arbeiten in wechselnden Hängungen präsentieren konnte. Hier habe ich die Spannung und fragende Haltung vieler Arbeiten wahrgenommen. Diese Zerrissenheit habe ich als Merkmal meiner Arbeit und meiner selbst in der Entwicklung erkannt und akzeptiert. Dann habe ich festgestellt, dass ich als Person und Künstlerin den Zustand der Zerrissenheit immer wieder überwinden konnte, indem ich die Entscheidung getroffen habe, den nächsten Schritt in Richtung Ganzheit zu gehen.

In meinen fotografischen und grafischen Konzeptarbeiten in den 1990er Jahren habe ich analytisch und spielerisch gearbeitet, indem ich Vorhandenes dekonstruiert und neu zusammengesetzt habe. In meinen Zeichnungen seit 2010 findet eine innere Reise statt. Hier entwickelt sich das Thema indirekt. Eine Zeichnung ist wie die Aufzeichnung eines Traumes – sie entschlüsselt sich auf der emotionalen und existentiellen Ebene. Die Zeichnung wirkt als Metapher. In den freien Zeichnungen auf Papier ist das Blatt oft Teil einer Geschichte, Ereignisse oder Gegenstände im Alltag sind der Ausgangspunkt. Ich folge dem unmittelbaren Drang zu malen oder etwas auszuprobieren und arbeite mit verschiedenen Mitteln: Tusch, Acryl, Bleistift und Wachsmalstiften, Ölpastellkreide … ich folge meinem inneren Fluss.
Nehmen wir ein Beispiel: die Zeichnung ›Orange Jacket‹, 2017.

Eine Zeichnung ist wie die Aufzeichnung eines Traumes – sie entschlüsselt sich auf der emotionalen und existentiellen Ebene. Die Zeichnung wirkt als Metapher: Die kräftige orange Farbe der Jacke und die kräftigen Linien im Hintergrund (Indigo, Violett und Schwarz) verschmelzen ineinander. Die Zeichnung schildert eine pragmatische, anpackende Energie und bringt gleichzeitig etwas Fantasievolles, Unbestimmtes ins Spiel. Diese Zeichnung handelt von meinem `Alltagsgewand ́ – der Rolle, die ich gewohnt bin im Alltag zu spielen. In der Zeichnung erkenne ich die Bereitschaft, diese Rolle zu hinterfragen und auch Abstand von dieser Rolle zu nehmen. Somit wird das Thema Identität hier auf einer ganz persönlichen, intuitiven Ebene behandelt. Ein Wandel, eine Erweiterung der eigenen Identität tritt ins Bild.

Angelika Beuler, ›Orange Jacket‹, Köln 2017, 100 x 70 cm, Mischtechnik auf Papier

Die kräftige orange Farbe der Jacke und die kräftigen Linien im Hinter- grund (Indigo, Violett und Schwarz) verschmelzen ineinander. Die Zeichnung schildert eine pragmatische, anpackende Energie und bringt gleichzeitig etwas Fantasievolles, Unbestimmtes ins Spiel. Diese Zeichnung handelt von meinem `Alltagsgewand ́ – der Rolle, die ich gewohnt bin im Alltag zu spielen. In der Zeichnung erkenne ich die Bereitschaft, diese Rolle zu hinterfragen und auch Abstand von dieser Rolle zu nehmen. Somit wird das Thema Identität hier auf einer ganz persönlichen, intuitiven Ebene behandelt. Ein Wandel, eine Erweiterung der eigenen Identität tritt ins Bild.

In der Malerei vertiefe ich mich in einen einzelnen Aspekt, z. B. die Form ›Element‹, den ›Dot‹ oder die Farbstimmung einer alten Wurzel im Wald. Diesen Aspekt dehne ich auf die ganze Bildfläche aus. Die Bildfläche trägt die Spur des Auslösers, des Konkreten in sich und geht gleichzeitig weit darüber hinaus. Im Bild entsteht ein unmittelbar gegenwärtiger Zustand. In diesem Zustand fühle ich mich sehr wohl: Ich bleibe verwurzelt im Ursprung und ich wachse gleichzeitig darüber hinaus.
Damit betrete ich eine neue Ebene: einen Zustand von Unschuld, Neutralität und Hinwendung, mit dem ich mich generell dem Leben zuwenden möchte. Dies ist eine Haltung, die ich mir mithilfe der Kunst erarbeitet habe. Sie gibt mir für die Malerei ein Gefühl von Sinn und Authentizität, nach dem ich lange gesucht habe.

In der Malerei bevorzuge ich die Reduzierung um mich selbst zu fokussieren. Ich benutze nur eine oder wenige Farben und gebe mir selbst einen bestimmten Handlungsrahmen für die Ausführung der Arbeit. Dann kann ich mich z.B. ganz auf die unmittelbare Farbwirkung und den Malprozess einlassen und ihn gleichzeitig beobachten. Oder ich benutze ein einziges Gestaltungsmittel, z.B. den ›Dot‹ als Ausgangspunkt für ein Projekt. Damit arbeite ich ganz streng um große Ruhe ins Bild und in meinen Geist zu bringen.

Ingolstadt, November 2020